Herzrasen und Herzstolpern

Herzrasen und Herzstolpern in den Wechseljahren

Warum bekomme ich in den Wechseljahren Herzrasen, obwohl mein Herz gesund ist?

Viele Frauen berichten in den Wechseljahren erstmals über ein spürbares, oft beunruhigendes Herzklopfen, ohne dass eine körperliche Anstrengung oder ein erkennbarer Auslöser vorausgegangen ist.

Typisch beschriebene Erfahrungen sind:

  • plötzliches, schnelles Herzklopfen ohne ersichtlichen Grund
  • das Gefühl, das Herz „stolpert“ oder setzt kurz aus
  • ein Flattern oder Pochen im Brustkorb oder Hals
  • Herzrasen, das nachts oder in Ruhephasen auftritt
  • Herzrasen im Zusammenhang mit Hitzewallungen
  • die Sorge, dass eine ernsthafte Herzerkrankung dahinterstecken könnte


Für viele Frauen ist genau diese Sorge der Punkt, an dem sie überhaupt zum ersten Mal ärztlichen Rat suchen, oft ohne zu ahnen, dass ein Zusammenhang mit den Wechseljahren bestehen könnte.

Wie viele Frauen sind betroffen?

Herzrasen gehört zu den häufigeren, aber lange unterschätzten Begleiterscheinungen der Wechseljahre.

Eine systematische Auswertung mehrerer internationaler Studien (Carpenter et al., 2021) zeigt:

  • In der Perimenopause berichten etwa 20 bis 40 Prozent der Frauen von Herzrasen
  • In der Postmenopause sind es bis zu 54 Prozent
  • Die Häufigkeit unterscheidet sich je nach Studie, Land und Erhebungsmethode

Eine große amerikanische Langzeitstudie mit über 3.200 Frauen, die sogenannte SWAN-Studie (Carpenter et al., 2023, veröffentlicht im Fachjournal Menopause), bestätigt dieses Bild:

  • Rund die Hälfte der untersuchten Frauen erlebte im Verlauf der Wechseljahre zeitweise Herzrasen
  • Am häufigsten trat es in der späten Perimenopause und frühen Postmenopause auf
  • Danach ließ die Häufigkeit bei den meisten Frauen wieder nach


Diese Zahlen zeigen: Wer Herzrasen in dieser Lebensphase erlebt, ist damit nicht allein.
Die vollständigen Quellenangaben mit Autoren, Journal und Jahr finden Sie am Ende dieses Eintrags unter „Wissenschaftliche Einordnung und Fachliteratur“.

Welche Rolle spielen Hormone
beim Herzrhythmus?

Östrogen

Östrogen kann unter anderem folgende Bereiche beeinflussen:

  • die elektrische Reizleitung im Herzen
  • den Gefäßtonus und die Gefäßelastizität
  • das Gleichgewicht zwischen sympathischem und parasympathischem Nervensystem
  • die Empfindlichkeit des Herzens gegenüber Stresshormonen wie Adrenalin

Das Herz verfügt über eigene Östrogenrezeptoren, die an der Regulation des Herzschlags beteiligt sein können (Lee et al., 2022; Schwarz et al., 2024). Sinkende und stark schwankende Östrogenspiegel während der Perimenopause könnten diese Steuerung empfindlicher und weniger stabil machen, was sich als spürbares Herzklopfen oder als kurzes Aussetzen des Rhythmus zeigen kann.

Progesteron

Progesteron kann unter anderem eine Rolle spielen bei:

  • Schlafstabilität
  • der inneren Beruhigung, vor allem über einen Abbaustoff namens Allopregnanolon, der auf das Nervensystem dämpfend wirken kann
  • der allgemeinen Stressverarbeitung

Cortisol und Katecholamine

Cortisol sowie die Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin können unter anderem beeinflussen:

  • die Herzfrequenz
  • die Reizschwelle des Herzens für Extraschläge
  • die allgemeine Anspannung des Nervensystems

Unter chronischer Belastung oder reduzierter Regeneration kann sich diese Stressachse verändern, was die Wahrscheinlichkeit spürbarer Herzrhythmus-Empfindungen erhöhen kann (Schwarz et al., 2024).

Was passiert im Nervensystem bei Herzrasen?


Das autonome (also unwillkürliche, nicht bewusst steuerbare) Nervensystem regelt im Hintergrund Funktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck und Atmung, über das Zusammenspiel von Sympathikus (Aktivierung) und Parasympathikus (Beruhigung).
Eine aktuelle Übersichtsarbeit im Fachjournal The Journal of Physiology (Schwarz et al., 2024) beschreibt, dass der Rückgang von Östrogen während der hormonellen Umstellungsphase der Wechseljahre dieses Gleichgewicht in Richtung einer stärkeren sympathischen Aktivität verschieben könnte. 
Das Herz reagiert dadurch tendenziell empfindlicher, und die sogenannte Herzfrequenzvariabilität, ein Maß für die Anpassungsfähigkeit des Herzens, kann abnehmen.
Diese Verschiebung wird als einer der möglichen biologischen Mechanismen diskutiert, warum Herzrasen in dieser Lebensphase gehäuft auftreten kann.

Warum treten Herzrasen und Hitzewallungen oft gemeinsam auf?


Während einer Hitzewallung weiten sich die Blutgefäße plötzlich, das Blut wird verstärkt zur Hautoberfläche geleitet und das Herz reagiert häufig mit einer kurzfristig erhöhten Schlagfrequenz. Deshalb erleben viele Frauen Herzklopfen als direkten Begleiter einer Hitzewallung.
Eine Übersichtsarbeit im American Journal of Physiology (Lee et al., 2022) beschreibt, dass Hitzewallungen und Nachtschweiß mit einer Verschiebung im autonomen Nervensystem in Verbindung stehen können, die auch die Herzfrequenz und den Blutdruck beeinflusst. 
Auch die bereits erwähnte SWAN-Studie (Carpenter et al., 2023) zeigt: Frauen mit stärker ausgeprägten Hitzewallungen und Nachtschweiß berichteten in der Untersuchung tendenziell häufiger über Herzrasen, was auf einen möglichen gemeinsamen Regulationsmechanismus im Nervensystem hindeutet.

Psychologische Perspektive:
Wenn das Herz Angst macht


Herzrasen kann bei manchen Frauen einen belastenden Kreislauf in Gang setzen. Das spürbare, unerwartete Herzklopfen kann Sorge oder Angst auslösen, Angst wiederum aktiviert das sympathische Nervensystem und kann dadurch die körperliche Reaktion verstärken, vor der die Sorge ursprünglich entstanden ist.

Eine Untersuchung im Rahmen der amerikanischen MsFLASH-Studie (Carpenter et al., 2021, Journal of Women’s Health) mit über 750 Frauen in der Perimenopause und Postmenopause zeigt, dass das Ausmaß der empfundenen Belastung durch Herzrasen deutlich mit weiteren Faktoren wie Lebensqualität und begleitenden Beschwerden zusammenhängt. Das bestätigt: Wie belastend Herzrasen erlebt wird, hängt nicht nur von der körperlichen Stärke der Symptome ab, sondern auch von der psychischen Verarbeitung.

Manche Frauen berichten über Gedanken wie:

  • Stimmt etwas nicht mit meinem Herzen?
  • Ist das der Anfang von etwas Ernsterem?
  • Kann ich meinem eigenen Körper gerade nicht vertrauen?

Diese Reaktion ist nachvollziehbar. Das Herz gehört zu den Organen, deren spürbare Veränderung besonders schnell Verunsicherung auslösen kann, gerade weil man den eigenen Herzschlag im Alltag normalerweise gar nicht bewusst wahrnimmt.

Warum betrifft das
leistungsgewohnte Frauen oft besonders stark?

Frauen, die beruflich oder privat viel Verantwortung tragen, entwickeln über die Jahre oft sehr wirksame Strategien, um auch unter Druck zu funktionieren:

  • hohe Selbstdisziplin
  • die Fähigkeit, Anspannung einfach auszuhalten und weiterzumachen
  • ein Nervensystem, das über lange Zeit im „Anspannungsmodus“ läuft, ohne dass es im Alltag auffällt

Diese Fähigkeit, dauerhaft unter Strom zu stehen, kann sich in den Wechseljahren verändern. Der Körper kann solche Dauerbelastung über viele Jahre gut abfedern, unter anderem mit Unterstützung der weiblichen Hormone, die eine schützende Wirkung auf das Nervensystem haben können. Lässt diese hormonelle Unterstützung nach, kann sich die zuvor gut kompensierte Anspannung deutlicher körperlich bemerkbar machen, zum Beispiel als Herzrasen (Kuck & Hogervorst, 2024, Frontiers in Psychiatry).
Viele leistungsgewohnte Frauen reagieren in dieser Situation zunächst mit dem, was bisher immer funktioniert hat: noch mehr Disziplin, noch mehr Durchhalten. Genau das kann aber das Gegenteil bewirken. Wenn der Körper bereits im Daueranspannungsmodus arbeitet, braucht er vor allem Entlastung und nicht noch mehr Anstrengung. Für viele Frauen ist das ein ungewohnter, aber wichtiger Moment: das eigene Körperempfinden bewusst ernst zu nehmen und sich selbst an erste Stelle zu setzen, statt wie gewohnt einfach weiter zu funktionieren.

Was häufig missverstanden wird

Herzrasen in den Wechseljahren bedeutet nicht automatisch:

  • eine ernste Herzerkrankung
  • Panikattacken im psychiatrischen Sinn
  • ein Zeichen von „zu wenig Belastbarkeit“


Eine aktuelle Pilotstudie (Carpenter et al., 2025, Fachjournal Menopause) unterstützt diese Einordnung. Frauen mit und ohne Herzrasen trugen darin über insgesamt 28 Tage ein EKG-Pflaster. Ein zentrales Ergebnis: Ein erheblicher Teil der Frauen, die über Herzrasen berichteten, zeigte im EKG einen unauffälligen Befund, ohne nachweisbare Herzrhythmusstörung. Herzrasen kann sich also sehr real und beunruhigend anfühlen, ohne dass eine ernsthafte Herzerkrankung dahintersteckt.
Gleichzeitig gilt: Nicht jedes Herzrasen in dieser Lebensphase ist automatisch hormonell bedingt. Eine sorgfältige Einordnung bleibt wichtig, auch weil sich hormonelle und andere Ursachen überlagern können.

Wann kann eine medizinische
oder fachliche Abklärung sinnvoll sein?

Eine ärztliche Abklärung sollte in folgenden Fällen zeitnah erfolgen:

  • bei Herzrasen zusammen mit Brustschmerzen, starker Atemnot oder Schwindel
  • bei Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
  • bei anhaltend sehr schnellem oder unregelmäßigem Puls
  • bei neu auftretendem, wiederkehrendem oder sich verstärkendem Herzrasen ohne erkennbaren Auslöser
  • bei bekannten Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes oder familiärer Vorbelastung

Diese Symptome können, müssen aber nicht auf eine ernsthafte Ursache hindeuten. Sie sollten in jedem Fall ärztlich untersucht werden, um andere Ursachen wie Herzrhythmusstörungen, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Bluthochdruck oder eine Blutarmut auszuschließen. Auch Auslöser wie Koffein, Alkohol oder bestimmte Medikamente können Herzrasen begünstigen und sollten bei der ärztlichen Abklärung mit angesprochen werden.

Einordnung und funktionale Orientierung

Herzrasen wird von vielen Frauen zunächst isoliert betrachtet, als eigenständiges, oft beängstigendes Symptom. Die wissenschaftliche Literatur zeigt jedoch, dass Herzrasen in den Wechseljahren meist eingebettet ist in ein größeres Muster: eine Verschiebung im unwillkürlichen Nervensystem hin zu mehr innerer Anspannung, oft im Zusammenspiel mit Schlafqualität, Stressbelastung und Hitzewallungen.
Gerade leistungsgewohnte Frauen erleben dabei häufig eine Diskrepanz: Der Körper reagiert plötzlich empfindlicher auf Belastung, obwohl sich am äußeren Alltag wenig verändert hat.
Das Strategische Selbstführungs-Risiko-Profil™ ordnet das körperliche Symptom Herzrasen nicht direkt ein. Es kann aber sichtbar machen, wie sich eine solche dauerhaft erhöhte innere Anspannung im Alltag einer Frau niederschlägt, etwa in der emotionalen Regulation, in der energetischen Systemverfügbarkeit oder in der exekutiven Alltagsperformance, also der Fähigkeit, Aufgaben im Alltag und im Beruf souverän zu steuern.

Wissenschaftliche Einordnung und/oder Fachliteratur (Kurzüberblick)

  • Carpenter JS, Sheng Y, Elomba C, Alwine J, Yue M, Pike CA, Chen CX, Tisdale JE.
    A systematic review of palpitations prevalence by menopausal status. Current Obstetrics and Gynecology Reports. 2021;10(1):7–13.
  • Carpenter JS, Cortés YI, Tisdale JE, Sheng Y, Jackson EA, Barinas-Mitchell E, Thurston RC.
    Palpitations across the menopause transition in SWAN: trajectories, characteristics, and associations with subclinical cardiovascular disease. Menopause. 2023;30(1):18–27.
  • Sheng Y, Carpenter JS, Elomba CD, Alwine JS, Yue M, Pike CA, Chen CX, Tisdale JE.
    Review of menopausal palpitations measures. Women’s Midlife Health. 2021;7(1):5.
  • Sheng Y, Carpenter JS, Elomba CD, Alwine JS, Yue M, Chen CX, Tisdale JE.
    Effect of menopausal symptom treatment options on palpitations: a systematic review. Climacteric. 2022;25(2):128–140.
  • Schwarz KG, Vicencio SC, Inestrosa NC, Villaseca P, Del Rio R.
    Autonomic nervous system dysfunction throughout menopausal transition: A potential mechanism underpinning cardiovascular and cognitive alterations during female ageing. The Journal of Physiology. 2024;602(2):263–280.
  • El Khoudary SR, Aggarwal B, Beckie TM, et al.
    Menopause Transition and Cardiovascular Disease Risk. Circulation. 2020;142(25):e506–e532.
  • Lee E, Anselmo M, Tahsin CT, Vanden Noven M, Stokes W, Carter JR, Keller-Ross ML.
    Vasomotor symptoms of menopause, autonomic dysfunction, and cardiovascular disease. American Journal of Physiology-Heart and Circulatory Physiology. 2022;323(6):H1270–H1280.
  • Carpenter JS, Tisdale JE, Chen CX, Kovacs R, Larson JC, Guthrie KA, Ensrud KE, Newton KM, LaCroix AZ.
    A Menopause Strategies-Finding Lasting Answers for Symptoms and Health (MsFLASH) Investigation of Self-Reported Menopausal Palpitation Distress. Journal of Women’s Health. 2021;30(4):533–538.
  • Kuck MJ, Hogervorst E.
    Stress, depression, and anxiety: psychological complaints across menopausal stages. Frontiers in Psychiatry. 2024;15:1323743.
  • Carpenter JS et al.
    Palpitations in midlife women: the Menopause Racing Heart Pilot Study. Menopause. 2025.