Scheidentrockenheit, Libidoverlust & sexuelle Gesundheit

Ist Scheidentrockenheit
in den Wechseljahren normal?

Scheidentrockenheit gehört leider zu den häufigsten Veränderungen, über die Frauen in den Wechseljahren berichten. Manche sprechen offen darüber, viele eher zögerlich, weil das Thema bis heute schambesetzt ist. Dabei ist diese Trockenheit wirklich unangenehm und sie kann verunsichern, gerade wenn man nicht weiß, ob das normal ist oder ob etwas nicht stimmt. Studien zeigen, dass im Verlauf der Menopause bis zu 90 Prozent der Frauen davon betroffen sind, du bist mit diesem Erleben also alles andere als allein. Hintergrund ist der sinkende Östrogenspiegel, der die Vaginalschleimhaut empfindlicher und trockener macht. Wichtig ist vor allem, dass diese Unsicherheit nicht zu Sorge oder im schlimmsten Fall zu echter Angst anwächst, bevor man sich Klarheit verschafft hat. Genau deshalb lohnt sich an dieser Stelle eine fachkundige Beratung, sie nimmt die Unsicherheit und zeigt gleichzeitig auf, was wirklich hilft.

Was hilft gegen Scheidentrockenheit
in den Wechseljahren?

Wenn man heute fernsieht, kommt man kaum noch an der Werbung für spezielle Cremes gegen Scheidentrockenheit vorbei, das Thema ist endlich aus der Tabuzone heraus, und das ist grundsätzlich gut so. In meinem Umfeld und bei den Frauen, mit denen ich arbeite, haben einige Frauen solche frei verkäuflichen Mittel ausprobiert und sehr gut vertragen, ganz ohne vorherige fachliche Abklärung. Bei anderen kamen jedoch zusätzliche Beschwerden hinzu, und erst dann sind sie zur Gynäkologin gegangen. Genau das ist der Punkt, den ich dir mitgeben möchte: Bevor du selbst zu einem Hilfsmittel greifst, lohnt sich aus meiner Sicht zuerst eine Untersuchung, es sei denn, du nimmst bewusst in Kauf, dass manche Mittel zusätzliche oder andere Beschwerden auslösen können. Nach aktueller Leitlinienlage gibt es je nach Ausprägung der Beschwerden unterschiedliche Behandlungsstufen: einfache Gleitmittel und Feuchtigkeitsgele auf Hyaluronbasis für leichtere Beschwerden, die niedrig dosierte lokale Östrogenanwendung als wirksamste und risikoarme Standardbehandlung, sowie vaginales DHEA oder der Wirkstoff Ospemifen als weitere Optionen. Welches Mittel für dich persönlich das richtige ist, kann am Ende aber nur eine fachkundige Untersuchung wirklich beantworten, nicht das Internet und auch nicht die Werbung im Fernsehen.

Wie lange dauert die
Scheidentrockenheit in den Wechseljahren an?

Viele Frauen gehen zunächst davon aus, dass Scheidentrockenheit, ähnlich wie Hitzewallungen, nach einer gewissen Zeit einfach wieder verschwindet. Aus meinem Umfeld und bei den Frauen, mit denen ich arbeite, weiß ich, dass es leider anders läuft. Einige Frauen haben mit passenden Hilfsmitteln richtig gute Erfahrungen gemacht und berichten begeistert, dass Sex mit dem Partner wieder viel angenehmer und schöner wurde, einfach weil die Schmerzen weg waren. Andere haben die Anwendung zwischendurch vergessen oder nicht kontinuierlich durchgeführt und dann das Gefühl gehabt, es bringt gar nichts. Wieder andere haben mir erzählt, dass die Beschwerden schon ein bis zwei Tage nach dem Aussetzen langsam zurückkamen, nicht so heftig wie am Anfang, aber schleichend wieder spürbar. Genau das zeigt, worum es hier wirklich geht: Scheidentrockenheit verschwindet nicht von selbst und sie heilt auch nicht einmalig aus. Ohne Behandlung bleibt sie bestehen oder nimmt zu, mit einer passenden, aber eben dauerhaften Anwendung kann sich die Schleimhaut regenerieren und die Beschwerden deutlich zurückgehen. Manche Frauen aus meinem Umfeld wenden ihre Hilfsmittel inzwischen seit ein, zwei Jahren an und sagen ganz offen, sie sind einfach dankbar, dass es so etwas überhaupt gibt. Wichtig dabei: Genau diese Frauen gehen seit der Anwendung auch regelmäßig und kontinuierlich zu ihrer Gynäkologin, eine dauerhafte Anwendung ersetzt also nicht die fachärztliche Begleitung, sondern gehört untrennbar dazu.

Lassen die Schmerzen beim Sex
nach den Wechseljahren nach?

Auch hier zeigt sich in meinem Umfeld und bei den Frauen, mit denen ich arbeite, ein sehr uneinheitliches Bild. Bei manchen Frauen sind die Schmerzen bis heute einfach geblieben. Bei anderen wurden sie zunächst weniger oder verschwanden ganz, kamen dann aber irgendwann wieder zurück, selbst bei der Verwendung verschiedener Hilfsmittel. Für viele Frauen war genau das eine sehr unangenehme Situation, mitten im Moment sagen zu müssen: „Wir müssen aufhören, es geht gerade nicht.“ Manche Frauen können das offen aussprechen, anderen fällt das sehr schwer, gerade dann, wenn der Partner wenig darüber weiß, was in dieser Phase im Körper der Frau eigentlich passiert, und es persönlich nimmt, als hätte es etwas mit ihm zu tun. Fachlich betrachtet entstehen diese Schmerzen, in der Fachsprache Dyspareunie genannt, durch die dünner werdende, weniger durchblutete und weniger feuchte Vaginalschleimhaut. Da der zugrunde liegende Östrogenmangel auch nach den Wechseljahren bestehen bleibt, verschwinden diese Schmerzen in der Regel nicht von selbst über die Zeit. Mit einer passenden, kontinuierlichen Behandlung, etwa lokaler Hormonanwendung in Kombination mit Gleitmitteln, können sie sich bei vielen Frauen jedoch deutlich verbessern, auch wenn das, wie du selbst beschreibst, nicht bei jeder Frau gleich verlässlich gelingt.

Warum habe ich in den
Wechseljahren keine Lust mehr auf Sex?

In meinem Umfeld und bei den Frauen, mit denen ich arbeite, sind es fast immer mehrere Bausteine gleichzeitig, nie nur ein einzelner Grund. Häufig wird die nachlassende Lust zunächst ganz woanders verortet: auf Stress, auf den Alltag, manchmal sogar auf die Partnerschaft selbst, im Sinne von „vielleicht wirkt mein Partner einfach nicht mehr anziehend auf mich“. Die Wechseljahre werden dabei oft gar nicht in Betracht gezogen, bis irgendwann, häufig erst spät, der Weg zur Gynäkologin führt und dort der hormonelle Zusammenhang erstmals zur Sprache kommt. Hinzu kommt eine zweite, sehr belastende Ebene: wie sage ich das eigentlich meinem Partner? Manche Partner reagieren verständnisvoll, andere überhaupt nicht. Manche Frauen können offen darüber sprechen, andere schaffen das nicht, und genau dort entsteht häufig eine zusätzliche Angst, nämlich dass sich der Partner seine sexuelle Erfüllung woanders sucht. Manche Frauen haben mir sogar erzählt, dass sie für sich resigniert haben mit Gedanken wie „dann ist es halt so, ich werde jetzt älter, ich fühle mich eh nicht mehr schön und begehrenswert“. Das zeigt sehr deutlich, wie sehr dieses Thema nicht nur den Körper, sondern das ganze Selbstbild berührt. Fachlich betrachtet hat nachlassendes Verlangen in den Wechseljahren meist hormonelle Ursachen, sinkendes Östrogen und Testosteron spielen eine Rolle, kombiniert mit einem psychologischen Mechanismus: Wenn Sex aufgrund von Scheidentrockenheit schmerzhaft wird, lernt der Körper unbewusst, Sex mit Unbehagen zu verknüpfen, und beginnt, ihn zu vermeiden. Erschöpfung, Schlafmangel und das veränderte Körpergefühl verstärken das zusätzlich.

Kommt die Lust auch in den
Wechseljahren wieder zurück, oder bleibt das so?

Bei vielen Frauen normalisiert sich die sexuelle Lust auf Sex tatsächlich wieder, vor allem dann, wenn begleitende Beschwerden behandelt wurden. Was ich aber sehr häufig höre, geht noch einen Schritt weiter: Bei manchen Frauen verändert sich die Lust nicht nur in ihrer Stärke, sondern auch in ihrer Richtung. Einige entdecken sich in dieser Phase regelrecht neu und merken, dass sich ihre eigene Erotik verändert hat. Was früher schön und erregend war, fühlt sich plötzlich unangenehm an oder löst kaum noch etwas aus, während andere Dinge, die vorher kaum eine Rolle gespielt haben, jetzt eher zum Höhepunkt führen können. Manche Frauen sprechen das offen mit ihrem Partner an, andere können das nicht in Worte fassen und versuchen, es ihm auf andere Art und Weise zu zeigen. Bei wieder anderen schwankt die Lust phasenweise sehr stark, mal über mehrere Tage hinweg sehr ausgeprägt, dann wieder kaum vorhanden, ganz ohne erkennbares Muster. Und es gibt auch Frauen, die für sich ganz klar sagen: Ich habe keine Lust mehr auf Sex, ich möchte auch gar nicht hinterfragen, woran das liegt, und das sagen sie ihrem Partner auch genauso offen und klar. All das zeigt, wie individuell dieser Verlauf tatsächlich ist, eine einheitliche Antwort gibt es hier nicht. Fachlich betrachtet hängt es weniger vom Alter selbst ab, sondern davon, wie gut die einzelnen beeinflussenden Faktoren, körperlich wie psychologisch, im Einzelfall adressiert und verstanden werden.

Warum tut Sex in den
Wechseljahren plötzlich weh?

Aus meinem Umfeld und von den Frauen, mit denen ich arbeite, höre ich immer wieder ein ganz ähnliches Muster. In dem Moment, in dem der Schmerz auftritt, zucken viele Frauen unwillkürlich zusammen und spannen sich an, und genau durch diese Anspannung wird der Schmerz dann noch größer, ein wirklich unangenehmer Kreislauf. Häufig kommt danach Scham hinzu, weil der Partner mit dieser Reaktion überhaupt nicht gerechnet hat und sie teilweise als Ablehnung empfindet, sodass das Sexuelle abrupt unterbrochen werden muss. Genau hier setzt dann oft sofort die psychologische Ebene auf beiden Seiten ein: Der Partner denkt mitunter, er habe der Frau Schmerzen zugefügt und sei selbst schuld, während die Frau sich fragt, ob etwas Ernsthaftes, vielleicht sogar eine Krankheit, dahinterstecken könnte, weil sie den Zusammenhang mit den Wechseljahren noch gar nicht herstellt. Manche Frauen haben mir berichtet, dass sie die Schmerzen trotzdem „durchgehalten“ haben, um den Partner nicht zu belasten, und im Anschluss dann eine Blasenentzündung entwickelt haben. Medizinisch betrachtet ist das kein Zufall: Die zusätzliche Reibung durch die ohnehin dünnere, weniger feuchte Schleimhaut kann kleine Verletzungen begünstigen, über die Bakterien leichter eindringen können, Harnwegsinfekte gehören deshalb zum bekannten Beschwerdebild des urogenitalen Menopausensyndroms. Ursache für die Schmerzen selbst ist der sinkende Östrogenspiegel, der die Vaginalschleimhaut dünner, weniger elastisch und schlechter durchblutet macht, gleichzeitig verändern sich der pH-Wert und das vaginale Mikrobiom, was die Schleimhaut zusätzlich empfindlicher macht. Diese Veränderung kann zwar plötzlich auffallen, baut sich aber meist über einen längeren Zeitraum biologisch auf.

Kann man trotz Scheidentrockenheit
noch ein erfülltes Sexleben haben?

Ja, das kann möglich sein, allerdings unter bestimmten Voraussetzungen. Wenn die Beschwerden behandelt sind und man weitgehend beschwerdefrei ist, wenn man im Kopf abschalten kann, wenn die Lust tatsächlich wieder da ist und wenn man sich emotional fallen lassen kann, dann kann ein erfülltes Sexleben trotz Scheidentrockenheit durchaus gelingen. Genau diese Voraussetzungen sind es auch, die in meinem Umfeld und bei den Frauen, mit denen ich arbeite, am Ende den Unterschied gemacht haben, nicht das eine Wundermittel, sondern das Zusammenspiel aus körperlicher Behandlung und innerer Bereitschaft. Medizinisch unterstützen kann dabei die Kombination aus passender Behandlung der Schleimhaut und der Nutzung von Gleit- und Feuchtigkeitsmitteln, psychologisch hilft häufig eine offene Kommunikation mit dem Partner darüber, was sich gerade gut anfühlt und was nicht.

Hilft eine Hormonersatztherapie
gegen Libidoverlust?

Sowohl von den Frauen, mit denen ich zusammenarbeite, als auch aus meinem persönlichen Umfeld weiß ich, dass eine Hormonersatztherapie bei einigen Frauen tatsächlich geholfen hat, bei anderen weniger oder kaum. Bei manchen kamen zusätzlich weitere Hilfsmittel zum Einsatz, und viele haben für sich selbst festgestellt, dass ein großer Teil des Themas auch auf der psychischen Ebene lag, nicht ausschließlich auf der hormonellen. Genau deshalb möchte ich an dieser Stelle bewusst keine pauschale Antwort geben, denn jede Frau und jeder Verlauf ist individuell. Was bei der einen Frau die Lösung ist, kann bei der anderen wirkungslos bleiben oder ist möglicherweise gar nicht die eigentliche Ursache. Meine klare Empfehlung ist daher, dieses Thema gezielt mit deiner Gynäkologin zu besprechen, denn nur eine fachärztliche Einschätzung kann beurteilen, ob es überhaupt um Hormone geht oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen. Zur wissenschaftlichen Einordnung: Eine systemische Hormonersatztherapie wirkt vor allem gegen klassische Beschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörungen und kann dadurch indirekt auch das sexuelle Wohlbefinden verbessern, sie ist aber kein gezieltes Mittel gegen Libidoverlust selbst. Für anhaltend stark vermindertes sexuelles Verlangen benennt die internationale Global Consensus Position Statement, unterstützt unter anderem von der International Menopause Society und der Endocrine Society, Testosterontherapie als die Option mit der besten Evidenzlage, allerdings gibt es dafür in Deutschland kein speziell zugelassenes Präparat für Frauen, eine Anwendung erfolgt off-label und ausschließlich ärztlich begleitet.

Was tun, wenn ich mit meinem
Partner nicht darüber sprechen kann?

Aus meiner Arbeit und meinem Umfeld zeigt sich immer wieder, wie sehr der richtige Moment entscheidet. Einige Frauen haben bewusst eine Situation abgewartet, in der beide entspannt waren, weg von der Arbeit, weg von den ganzen To-Do-Listen im Kopf. Viele haben das Gespräch damit eröffnet, dass sie einfach gesagt haben, sie hätten gerade ein Thema, das ihnen wichtig ist mitzuteilen, ganz bewusst, damit der Partner nicht das Gefühl bekommt, es würde an ihm liegen. Das hat bei einigen wirklich gut funktioniert. Andere haben dagegen, aus ihrer Sicht, den falschen Moment erwischt, der Partner hat zunächst komplett abgeblockt, und erst als die Frau in Tränen ausgebrochen ist, hat er wirklich zugehört. Auffällig ist dabei: Mir ist keine Frau bekannt, die das Thema direkt in dem Moment ansprechen konnte, in dem der Schmerz oder die fehlende Lust akut da war, das ist offenbar fast nie der richtige Zeitpunkt. Erschwerend kommt hinzu, dass manche Partner wenig darüber wissen, was in dieser Phase im Körper der Frau passiert, und ein zurückhaltendes oder ausbleibendes Sexleben persönlich nehmen, manchmal verbunden mit der stillen Angst der Frau, der Partner könnte sich seine sexuelle Erfüllung woanders suchen. Und es gibt tatsächlich auch Partner, mit denen ein Gespräch aus den unterschiedlichsten Gründen einfach nicht möglich ist, die weder zu einer Paartherapie noch gemeinsam zu einer ärztlichen Beratung bereit sind. In solchen Fällen bleibt oft nur, dass die Frau für sich selbst einen Weg findet, mit der Situation umzugehen, auch wenn das nicht der wünschenswerte Idealfall ist. Grundsätzlich gilt: Ein ruhiger, unbelasteter Moment außerhalb der Intimität, ein sachlicher Einstieg statt einer persönlichen Bewertung, und bei anhaltender Sprachlosigkeit eine begleitete Paar- oder Sexualberatung können hilfreiche Brücken sein, dort, wo beide Partner dazu bereit sind.

Was, wenn sich die Intimität in der
Partnerschaft insgesamt verändert hat?

Es gibt tatsächlich Paare, denen es gelingt, Nähe auf andere Art wiederzufinden, allerdings selten von heute auf morgen, sondern meist über einen längeren Zeitraum. Bei manchen Frauen kam irgendwann der Punkt, an dem sie es aufgegeben haben, bestimmte Themen mit dem Partner anzusprechen, weil sie immer wieder gemerkt haben, dass es bei ihm einfach nicht ankommt. Daraus entstand häufig dieselbe stille Angst wie schon beim Thema Libido, nämlich dass sich der Partner seine sexuelle Erfüllung woanders sucht. Was dabei oft übersehen wird: Nicht nur die Frau verändert sich in dieser Lebensphase, auch der Partner wird älter und durchläuft eigene körperliche und seelische Veränderungen, was die Situation für beide Seiten zusätzlich komplexer macht und nicht immer leicht einzuordnen ist. Einige Frauen haben mir berichtet, dass sie in diesem Zusammenhang entdeckt haben, dass sich ihr Partner Pornografie ansieht, und dass genau dieser Fund am Ende sogar zu einem ehrlicheren Gespräch geführt hat. Statt Vorwürfen haben manche Frauen bewusst einen offenen, wertfreien Einstieg gewählt, etwa in der Art, dass sie wissen, was ihr Partner ansieht, das für normal halten und gemeinsam herausfinden möchten, was beide daran reizt. Genau das zeigt, dass eine veränderte Intimität nicht automatisch das Ende von Nähe bedeuten muss, sondern auch eine Einladung sein kann, frühere Erwartungen und eingefahrene Muster neu zu überdenken. Wenn sich beide Partner dennoch zunehmend voneinander entfernt fühlen und das allein nicht aufgelöst werden kann, kann eine professionelle Begleitung durch eine Sexualmedizinerin, einen Paartherapeuten oder eine entsprechend qualifizierte Beraterin ein nächster Schritt sein, um herauszufinden, ob beide wieder zueinander finden können.

Wann kann eine medizinische
oder fachliche Abklärung sinnvoll sein?

wenn:

  • die Scheidentrockenheit oder die Schmerzen beim Sex trotz frei verkäuflicher Hilfsmittel bestehen bleiben oder zunehmen
  • zusätzliche Beschwerden auftreten, etwa wiederkehrende Blasenentzündungen, Brennen, Juckreiz oder Ausfluss
  • der Libidoverlust sehr plötzlich auftritt oder mit starker Erschöpfung, Schlafproblemen oder spürbaren Stimmungsveränderungen einhergeht
  • Unsicherheit besteht, ob die Beschwerden tatsächlich mit den Wechseljahren zusammenhängen oder eine andere Ursache haben könnten
  • besondere Vorerkrankungen vorliegen, etwa nach Brustkrebs oder bei Erkrankungen, bei denen bestimmte Hormonpräparate vermieden werden sollten, sodass die Wahl des passenden Mittels ärztlich getroffen werden muss

Einordnung und funktionale Orientierung

Was mir in meiner Arbeit und in meinem Umfeld immer wieder auffällt: Scheidentrockenheit und Libidoverlust werden fast immer zuerst als rein körperliches Thema oder als reines Beziehungsproblem abgetan, dabei steckt in Wahrheit viel mehr dahinter. Hormonelle Veränderungen, Schmerz und die unbewusste Vermeidung, die daraus entsteht, Erschöpfung, das eigene Selbstbild und die Art, wie ein Paar miteinander spricht oder eben nicht spricht, all das hängt eng zusammen und beeinflusst sich gegenseitig. Genau das habe ich bei den Frauen, mit denen ich arbeite, immer wieder erlebt: Was zunächst wie ein rein sexuelles Thema aussieht, entpuppt sich oft als ein viel größeres Muster, wie eine Frau mit Veränderung, mit Scham, mit eigenen Bedürfnissen und mit Nähe insgesamt umgeht.

Solche Themen kosten still und unbemerkt sehr viel Kraft, Konzentration und innere Stabilität, oft genau die Energie, die im Alltag, im Beruf und in der eigenen Entscheidungsfähigkeit eigentlich gebraucht wird. Viele Frauen merken irgendwann, dass sich diese Erschöpfung nicht nur auf ein einzelnes Thema beschränkt, sondern sich auf ihre gesamte Selbststeuerung auswirkt: auf die Konzentration im Job, auf die Geduld im Alltag, auf die Klarheit bei wichtigen Entscheidungen. Genau hier setzt das Strategische Selbstführungs-Risiko-Profil™ an. Es geht dabei nicht um die einzelnen privaten Themen selbst, sondern um die Frage, wie viel Regulationsarbeit der Alltag insgesamt gerade von dir verlangt und ob deine innere Stabilität noch aus echter Struktur entsteht oder zunehmend durch Kompensation aufrechterhalten wird.

Wissenschaftliche Einordnung und/oder Fachliteratur (Kurzüberblick)

  • American Urological Association, SUFU, AUGS.
    The AUA/SUFU/AUGS Guideline on Genitourinary Syndrome of Menopause. Journal of Urology. 2025.
  • Simon JA, Nappi RE, Chedraui P, et al.
    Genitourinary syndrome of menopause (GSM): recommendations from the Fifth International Consultation on Sexual Medicine (ICSM 2024). Sexual Medicine Reviews. 2026;14(1):qeaf055.
  • Davis SR, Baber R, Panay N, et al.
    Global Consensus Position Statement on the Use of Testosterone Therapy for Women. Climacteric / Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism. 2019.
  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).
    S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. AWMF-Register Nr. 015-062. Stand 2020.
  • Deutsche Menopause Gesellschaft e.V.
    Vulvovaginale Atrophie in den Wechseljahren – warum frühzeitige Therapie entscheidend ist. Pressemitteilung zum Weltmenopausetag, Oktober 2025.
  • Bulut H, Hinchliff S.
    Women’s Experiences of Intimate and Sexual Relationships During Menopause: A Qualitative Synthesis. Journal of Clinical Nursing. 2024;34(5):1543–1554.
  • Calvin A, et al.
    Women’s experiences of their sexuality during their menopausal transition and the support offered to them by healthcare providers: A systematic review and meta-synthesis. European Journal of Midwifery. 2025;9:10.18332/ejm/209571.
  • A Meta-Ethnography of Women’s Intimate and Sexual Experiences Across the Menopause Continuum.
    Qualitative synthesis of 53 studies, 2010–2024.
  • Hosseinabadi M, Khodadadi N, Tehrani H, et al.
    Sexual Function and Associated Factors in Postmenopausal Women: A Systematic Review and Meta-Analysis. Health Science Reports. 2025.